Internationaler Freimaurerorden für alle Menschen Österreich

LE DROIT HUMAIN

DAS MENSCHENRECHT

▩ ▩ ▩ Rundgang durch die Erinnerungsgalerie ▩ ▩ ▩

Galerie der Erinnerung

Stefan Schlesinger

Stefan Schlesinger

Stefan Schlesinger wurde am 14. Januar 1896 in Wien geboren. Seine jüdischen Eltern stammten ursprünglich aus Westungarn und erlangten nach der Teilung Österreich-Ungarns die österreichische Staatsbürgerschaft. Vater Michael Schlesinger (1860-1924), gelernter Gastwirt, später Kaufmann in Wien, und Mutter Rosa Lobel (1862 -?) hatten 1894 in der Wiener Synagoge geheiratet und neben Stefan noch eine Tochter, Thérèse (1897 - ?). Stefan Schlesinger studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Wien, als er 1915 in den 1. Weltkrieg als Wehrpflichtiger eingezogen wurde. 1916 wurde er verletzt und verließ 1918 den Militärdienst als Leutnant des Infanterieregiments. Er arbeitete zunächst als Architekt, um sich dann als Designer und Graphiker einer neuen Berufsperspektive zu widmen.

1922 wurde Stefan Schlesinger Gründungsmitglied der ersten österreichischen Loge des Le Droit Humain „Vertrauen“ und engagierte sich mit persönlichem Einsatz. Stefan Schlesinger entwarf Möbel, freimaurerische Utensilien und Bijous der Loge „Vertrauen“ und wurde zu deren ersten leitenden Meister vom Stuhl.

Anlässlich der Lichteinbringung der Loge Vertrauen lernte Stefan Schlesinger die um 14 Jahre ältere niederländische Freimaurerin Anna Kerdijk kennen und lieben. Sie heirateten am 27. 2. 1924 in Wien. Die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Krieg und der zunehmende Antisemitismus veranlassten das Paar ihren Lebensmittelpunkt nach Amsterdam zu verlegen. Trotz der Übersiedelung blieb Stefan Schlesinger seiner Mutterloge in Wien eng verbunden. In Amsterdam gründete er mit seiner Frau Anna 1927 die Loge „Ars Regia“ mit dem Ansinnen, das Bewusstsein für Kunst und Schönheit in der niederländischen Freimaurerei zu schärfen.

Mit seinen Arbeiten hatte Stefan Schlesinger in den Niederlanden sehr rasch Erfolg. Er konnte als Designer wichtige Kunden gewinnen und seinen Illustrationen, mit seiner reichen Erfahrung, die er bei der „Wiener Werkstätte“ gesammelt hatte, einen persönlichen Stempel auf drücken. Er wurde Grafiker für das berühmte Modehaus Metz & Co und gestaltete viele Jahre das prächtige Design für die Kakaofabrik Van Houten. Er entwarf Möbel, Plakate, Schriften und Verpackungen. Für die Druckerei Trio in Den Haag, berühmt für typographische Experimente, dessen Direktor, Frits Kerdijk, Annas Bruder war, schuf er eine Art Corporate Design. Als Typograph und Schriftdesigner wurde Stefan Schlesinger in den Niederlanden bekannt, wie auch für seine Plakate, Bucheinbände und -umschläge sowie Exlibris.

Seine Arbeiten kombinierten gekonnt Text und Bild zwischen Art-Deco und Moderne. Sein Stil war elegant und im Geiste des Radical-Chic zugleich verspielt und doch zurückhaltend. Er war ein Meister seines Faches und seine Schriften wurden in den Niederlanden Bestsellern. Stefan Schlesinger engagierte sich im Kampf gegen den Faschismus und für den Erhalt der Demokratie. So entwarf er u.a. das Plakat „Unterstützt das jüdisch benachteiligte Kind“.

1931 erhielt Stefan Schlesinger die Niederländische Staatsbürgerschaft. Stefans Vorliebe für moderne Architektur ließ das Ehepaar 1932 eine großzügige Wohnung im gerade fertiggestellten hochmodernen zwölfstöckigen Wolkenkratzer in Amsterdam am Daniel Willinkplein beziehen, der ihre letzte Adresse werden sollte. Heute erinnern zwei „Stolpersteine“ im Pflaster vor dem geschichtsträchtigen Gebäude an Anna und Stefan Schlesinger.

Unter der deutschen Besatzung der Niederlande wurde Stefan Schlesinger 1942 als österreichischer Jude in das Lager Westerbork transportiert, wo er einige Zeit als Architekt im Baubüro arbeitete und sogar ein Bühnenbild einer Lagerrevueaufführung gestaltete. Seine Frau, die offiziell nicht als Jüdin galt, trug aus Solidarität zu ihrem Mann den Davidstern. Im September 1944 wurde das Ehepaar Schlesinger in das Ghettolager Theresienstadt transportiert und kurze Zeit später nach Auschwitz deportiert und ermordet. Stefan Schlesinger starb am 1.10.1944 in den Gaskammern von Auschwitz.



Stefan Schlesinger, Gedicht für sein Schriftbild Serena:

Calm & Collected lovers in a dangerous time
Flowers for Anna
jasmines are her favorite
She Lookes Back
and saw his heart breaking
Springtime in Vienna
we live to survive our paradoxes



Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich

zurück zur Galerie der Erinnerung